Das Statut sowie die Geschäftsordnung der Steirischen Volkspartei in aktueller Fassung.
1965-1975
Tiefgreifende Veränderungen
Das Jahrzehnt von 1965 bis 1975 war in Österreich von tiefgreifenden Veränderungen geprägt. Politik, Gesellschaft und Wirtschaft befanden sich im Wandel – auf Bundesebene ebenso wie in den Ländern. In der Steiermark gestalteten vor allem Josef Krainer sen. und Friedrich Niederl als Landesparteiobleute der Steirischen Volkspartei diese bewegte Zeit entscheidend mit.
Veränderungen in der Bundes- und Landespolitik
1965 starb Bundespräsident Adolf Schärf, Franz Jonas (SPÖ) wurde knapp sein Nachfolger. 1966 endete die Große Koalition; die ÖVP unter Josef Klaus errang die absolute Mehrheit und bildete die erste Alleinregierung der Zweiten Republik, mit Grete Rehor als erster Bundesministerin. Auf Landesebene folgte Friedrich Niederl als Agrarlandesrat. Bei der Landtagswahl 1965 gewann die ÖVP, während sie 1968 in Graz bei der Gemeinderatswahl starke Verluste erlitt. Die SPÖ legte deutlich zu und wurde stärkste Kraft.
Politische Wendepunkte in der Steiermark und Österreich 1971–1974
1966 sicherte ein neues ORF-Gesetz dessen Unabhängigkeit. Bürgerinitiativen wie „Rettet die Altstadt“ führten 1974 zum Altstadterhaltungsgesetz. 1971 starb Landeshauptmann Josef Krainer sen. überraschend, sein Nachfolger wurde Friedrich Niederl. 1974 gewann die ÖVP bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit. Die SPÖ verlor 1973 in Graz, Bürgermeister Scherbaum wurde von FPÖ-Politiker Götz abgelöst. Bei der Bundespräsidentenwahl 1974 setzte sich parteiloser Rudolf Kirchschläger gegen ÖVP-Kandidat Lugger durch und blieb bis 1986 im Amt.
Gesellschaftlicher Wandel in der Steiermark Ende der 1960er Jahre
Ab 1965 prägten Studentenproteste und Debatten über Mitbestimmung die Hochschulpolitik, gipfelnd im Universitätsorganisationsgesetz 1975. 1968 startete der „steirische herbst“ als Festival für zeitgenössische Kunst, das moderne Impulse setzte. Zeitgleich vollzog die katholische Kirche mit dem Rücktritt von Bischof Schoiswohl und dessen Reformen wichtige Veränderungen. Sein Nachfolger Johann Weber wurde wegen seiner Volksnähe geschätzt. Diese Entwicklungen spiegelten den gesellschaftlichen Wandel und Öffnungsprozesse in der Steiermark wider.
Machtwechsel in der Bundespolitik
Der steirische Elternverbands-Obmann Dr. Hans Baier initiierte ein erfolgreiches Volksbegehren gegen das neunte Schuljahr, was zum Rücktritt des Unterrichtsministers Piffl-Perčević führte. Sein Nachfolger wurde Alois Mock. Die Nationalratswahl 1970 beendete die ÖVP-Alleinregierung, die SPÖ gewann erstmals seit 1945 die Mehrheit. Nach erfolglosen Koalitionsgesprächen regierte eine SPÖ-Minderheitsregierung mit FPÖ-Unterstützung bis 1971. Bei der Wahl 1971 erreichte die SPÖ die absolute Mehrheit und bildete eine Alleinregierung unter Bruno Kreisky, die 1975 bestätigt wurde. Bundespräsident Franz Jonas wurde 1971 wiedergewählt, trotz Gegenkandidatur von Kurt Waldheim. In der Steiermark gewann die SPÖ Mandate gegenüber der ÖVP.
Wirtschaftliche Herausforderungen und Europäische Integration in den 1960er Jahren
Ab 1962 verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum Österreichs, mit sinkenden Investitionen und steigender Inflation. Die Steiermark litt unter Arbeitslosigkeit und rückläufiger Industrieproduktion, besonders in Schwerindustrie und Bergbau. Österreichs Nichtmitgliedschaft in der EWG führte zu Handelsdiskriminierungen, die durch die EFTA nur teilweise ausgeglichen wurden. Trotz enger Beziehungen zu Deutschland verschlechterte sich die Wettbewerbsfähigkeit. Strukturprobleme wie Agrarquote und Monostrukturen behinderten die steirische Wirtschaft, die zunehmend Reformen benötigte, um den Herausforderungen der internationalen Konkurrenz zu begegnen.



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