Das janusköpfige Dezennium
2005-2015

2005 endete die jahrzehntelange Dominanz der ÖVP in der Steiermark: Franz Voves (SPÖ) wurde erster sozialdemokratischer Landeshauptmann seit 1945. Die steirische Volkspartei stürzte nach der Wahlniederlage in eine tiefe Identitätskrise. Der politische Stil war bis 2010 von Polarisierung geprägt. Nach erneuter SPÖ-Führungsbestätigung begann mit der „Reformpartnerschaft“ zwischen Voves und Hermann Schützenhöfer (ÖVP) ein Kurswechsel. Die neue Zusammenarbeit brachte wegweisende Reformen und markierte eine Abkehr von Konfrontation hin zu gemeinsamem Gestaltungswillen – mit bundesweiter Strahlkraft.

Hermann Schützenhöfer und Franz Voves
Staffelholzübergabe von Waltrad Klasnic an Hermann Schützenhöfer.

Die Landtagswahl 2005 und ihre Folgen

Bei der Landtagswahl 2005 wurde die SPÖ mit 41,67 % stärkste Kraft – ein historischer Bruch in der steirischen Politik. Die ÖVP verlor Platz eins und fiel auf 38,66 % zurück. FPÖ, BZÖ und Grüne verloren ebenfalls, während die KPÖ mit 6,34 % überraschend stark abschnitt. Franz Voves wurde mit ÖVP-Stimmen zum Landeshauptmann gewählt. Hermann Schützenhöfer übernahm die angeschlagene ÖVP, die sich in einer tiefen Krise befand. Trotz eines Regierungsübereinkommens blieb das Verhältnis von SPÖ und ÖVP angespannt – beide Parteien agierten strategisch in Hinblick auf die Landtagswahl 2010.

Bundesebene: Rückkehr zur österreichischen „Normalität“?

2005 spaltete Jörg Haider die FPÖ und gründete das BZÖ, das sich als pragmatischere Kraft verstand, aber nur in Kärnten Fuß fasste. 2006 verlor die ÖVP unter Wolfgang Schüssel trotz guter Wirtschaftsdaten die Wahl knapp an die SPÖ. Die Große Koalition unter Gusenbauer blieb reformunfähig – trotz Verfassungsmehrheit und Reformvorschlägen. 2008 zerbrach die Koalition, die Neuwahl brachte schwere Verluste für SPÖ und ÖVP, während FPÖ und BZÖ stark zulegten. Haiders Tod kurz nach der Wahl erschütterte das BZÖ. Es folgte eine neue Große Koalition unter Faymann, bei der auch steirische VP-Vertreter zentrale Rollen übernahmen.

Präsentation des neuen Landesgeschäftsführers Bernhard Rinner Anfang 2007.
"Entschlossen handeln!" war das Motto des Landesparteitages 2009.
Geschichte und Gegenwart auf einem Bild vereint: Niederl, Krainer, Klasnic und Schützenhöfer.

Politische Entwicklung in Graz und Landtagswahl 2010

In Graz festigte die ÖVP 2008 ihre Führung, fiel 2012 jedoch zurück. Die KPÖ erstarkte, eine stabile Koalition blieb aus. Schwarz-Grün zerbrach 2012, die spätere Zusammenarbeit mit SPÖ und FPÖ scheiterte 2014. Parallel war die Landtagswahl 2010 für die steirische ÖVP eine strategische Herausforderung. Trotz Angriffspolitik und SPÖ-Skandalen blieb sie mit 37,19 % knapp hinter der SPÖ (38,26 %). Die FPÖ legte deutlich zu, die Grünen leicht. Die Wahl zeigte die politische Umbruchstimmung in der Steiermark, die sich auch in instabilen Koalitionen und wachsenden Protestparteien widerspiegelte.

„Reformpartnerschaft Steiermark“

Nach der Landtagswahl 2010 bildeten SPÖ und ÖVP in der Steiermark eine „Reformpartnerschaft“ mit neuer Zusammenarbeit und gemeinsamer Politik. Sie setzten nachhaltige Strukturreformen um: Das Budget wurde konsolidiert, der Landtag, die Landesregierung sowie Grazer Gemeinderat verkleinert, das Proporzsystem abgeschafft und Bezirke sowie Gemeinden stark zusammengelegt. Die Gemeindestruktur wurde von 542 auf 287 reduziert, um effizientere Verwaltung zu schaffen. Trotz Herausforderungen führte die konsequente Budgetdisziplin 2015 zu einem ausgeglichenen Landesbudget. Führungspersönlichkeiten wie Hermann Schützenhöfer prägten die sozialpartnerschaftliche Politik, die auf Kompromiss und Zukunftsgestaltung setzte.

Nagl gewinnt 2008 erneut die Grazer Gemeinderatswahl.
Start der Reformarbeit 2007 in der Helmut-List-Halle. Von links: Sophie Karmasin, Hermann Schützenhöfer, Isolde Charim und Rudolf Burger.
Umbildung der VP-Spitze 2014: Christopher Drexler wird Landesrat, Barbara Eibinger Klubobfrau.

Wirtschaftskrise in Österreich und Umbruch in der katholischen Kirche

Die globale Finanzkrise ab 2007 traf auch Österreich und die Steiermark. Anfangs bewährten sich Kurzarbeit und Sozialpartnerschaft, später verschlechterten sich die wirtschaftlichen Kennzahlen. Besonders betroffen war die Autozulieferindustrie, dennoch blieb die Steiermark stark in Forschung, Innovation und Tourismus. Parallel kam es zu Umbrüchen in der katholischen Kirche: Nach drei Päpsten wurde 2015 Wilhelm Krautwaschl neuer Bischof der Steiermark. Die Nachfolge Kapellaris hatte sich verzögert, da Weihbischof Lackner nach Salzburg wechselte. Trotz globaler und kirchlicher Umbrüche behauptete die Steiermark zentrale Rollen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Mehr zur Geschichte der Steirischen Volkspartei.

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