Kranzniederlegung anlässlich des 1. Todestages von Landeshauptmann Josef Krainer jun.

Anlässlich des 1. Todestages von Landeshauptmann Josef Krainer jun. besuchte Landesparteiobmann Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer heute die Grabstätte von Josef Krainer jun. am Friedhof Graz-St. Veit.„Seine Volksverbundenheit machte ihn zum Landesvater, sein politischer Weitblick und seine Weltoffenheit zum Staatsmann. In seinen 16 Jahren als Landeshauptmann hat er unsere Steiermark nachhaltig geprägt“, würdigte der Landeshauptmann die Verdienste Krainers bei der Kranzniederlegung. Schützenhöfer betont vor allem auch die Volksnähe, die Josef Krainer auszeichnete: „Bei all seinen politischen Leistungen war Josef Krainer aber vor allem eines: ein Mann des Volkes, ein Mann zum Angreifen. Bis zu seinem letzten Tag war er vielen Steirerinnen und Steirern – so auch mir – ein inspirierender Ratgeber und treuer Freund. Er war, ist und bleibt ein Vorbild!“

 

Zur Person Josef Krainer:

Josef Krainer jun. wurde am 26. August 1930 in Graz als Sohn des späteren legendären Landeshauptmanns geboren. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Graz, an der er auch Gründungsmitglied der Akademischen Vereinigung für Außenpolitik war. Krainer war einer der damals noch wenigen Studenten, die im Ausland studierten: Nach einem Studienjahr in den USA verbrachte er nach seiner Promotion und dem Gerichtsjahr ein weiteres Studienjahr in Bologna. Für damals war es eine seltene Auszeichnung, in so jungen Jahren über ausgezeichnete Englisch- und Italienischkenntnisse zu verfügen.

Diese Auslandserfahrung, Sprach- und Weltgewandtheit prägte Krainers intellektuelle Liberalität und ausdauernde Kraft. All diese Erfahrungen änderten nichts an seiner Verwurzelung in den bäuerlichen Traditionen seiner Familie und in der Steiermark sowie im österreichischen Heimatland. Seine offene und zugleich tiefe postkonziliare Katholizität resultierte aus einer von religiöser Gesinnung gestützten hoffnungsvollen Verantwortungsethik, die ganz typisch für seine Generation ist. Von 1956 bis 1962 war Josef Krainer jun. Generalsekretär der Katholischen Aktion in der Steiermark. Danach machte die Tätigkeit als Universitätsassistent an der Universität Graz eine akademische Karriere durchaus möglich. Krainer hingegen entschied sich damals für die Politik, in der er fast 30 Jahre seiner Heimat Steiermark diente, da eines seiner Mottos lautete: „Ein Landeshauptmann für alle Steirer sein!“.

Nach seiner Tätigkeit beim Steirischen Bauernbund wurde Josef Krainer unter Landeshauptmann Friedrich Niederl zum Landesrat für Agrar- und Baufragen gewählt. Weiters wurde er 1972 geschäftsführender Landesparteiobmann der Steirischen Volkspartei. Am 4. Juli 1980 erfolgte schließlich vom Steiermärkischen Landtag Josef Krainers einstimmige Wahl zum Landeshauptmann. Dasselbe geschah in den Jahren 1981, 1986 und 1991. Sein Amtsantritt war der Beginn eines neuen Stils und neuer Inhalte. Schwerpunkte waren die schwierige Wirtschaftspolitik, die Verfassungspolitik, das Fortführen der steirischen Kulturpolitik und die Forcierung der regionalen Außenpolitik.

Dr. Josef Krainer setzte sich für eine Weiterentwicklung der steirischen Landesverfassung ein, da er – als Nationalökonom – wusste, wie wichtig adäquate rechtliche Rahmenbedingungen des politischen und wirtschaftlichen Prozesses sind. Die Schaffung des ersten Rechnungshofes in einem österreichischen Bundesland war ein signifikanter Schritt der Reform der Landesverfassung. Die Kultur betreffend wurde die Steiermark unter Dr. Josef Krainer zum größten aktiven Zentrum Österreichs außerhalb von Wien. Univ.-Prof. Hanns Koren konnte als die kulturelle Klammer zwischen Josef Krainer sen., Friedrich Niederl und Josef Krainer jun. gesehen werden. Seine kulturpolitischen Leistungen reichten von der Errichtung des Freilichtmuseums Stübing über die Rettung und Erhaltung bäuerlicher Tradition und Kultur bis zum Avantgardefestival „steirischer herbst“. Nikolaus Harnoncourt initiierte nach Korens Tod das heute noch viel besuchte Kulturfestival „Styriarte“.

Die steirische Außenpolitik betraf nicht nur Nachbarschaftspolitik, sondern auch bewusste Teilnahme an der europäischen Integration – man erinnere sich an das Jahr 1992 und die damalige Anerkennung der ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken Kroatien und Slowenien als unabhängige Staaten – wie auch Krainers persönlicher Einsatz für die Dritte Welt.

Dr. Josef Krainer war ein Vollblutpolitiker, der immer bemüht war, die Steiermark und die Steirer in den Zeitenbrüchen zu begleiten und sich dabei die „discretio“ – die Kraft der Unterscheidung – zu bewahren.