Heimische Lebensmittel: Großer Wert – Kleiner Preis?

Noch vor 30 Jahren kostete ein Kilogramm Schweinefleisch im Angebot mehr als jetzt im Normalpreis. Was für den Verbraucher eine gute Nachricht zu sein scheint, ist für viele Bauern eine Katastrophe. Ob die großen Lebensmitteldiscounter oder doch die Verbraucher, denen die Preise nicht niedrig genug sein können, die Schuldigen sind, darüber diskutierten Mag. Christoph Holzer, Geschäftsführer Spar Steiermark, und der Direktor des Steirischen Bauernbundes, DI Franz Tonner, am Dienstag in der Parteizentrale der Steirischen Volkspartei am Karmeliterplatz.

Christoph Holzer, Michael Fleischhacker, Franz Tonner, Detlev Eisel-Eiselsberg        © STVP/Fischer

Christoph Holzer, Michael Fleischhacker, Franz Tonner, Detlev Eisel-Eiselsberg © STVP/Fischer

„Wenn man heute auf Facebook schaut, sieht man immer wieder Postings mit ‚Ich bin bereit € 1,50 für einen Liter Milch zu bezahlen!‘. Es wird geteilt und tausendfach geliked. Fakt ist – bei aller positiver Grundstimmung unseren Bauern gegenüber -, dass der Konsument sich beim Griff ins Regal leider immer noch am Preis orientiert“, so Landesgeschäftsführer Detlev Eisel-Eiselsberg bei der Eröffnung der Diskussion. Eisel-Eiselsberg stellte klar, „was wir sicher nicht wollen ist, dass immer mehr heimische Landwirtschaften w.o. geben müssen und wir von ausländischen Produkten abhängig werden.“

Moderator Michael Fleischhacker machte zu Beginn darauf aufmerksam, dass „vor ein paar Jahrzehnten noch 30% des Haushaltseinkommens für Lebensmittel ausgegeben wurde“, heute seien es nur noch 10%. Er stellte die Frage in den Raum, ob in unserer Wohlstandsgesellschaft noch jemand bereit ist, wieder 30% seines Einkommens für Lebensmittel aufzuwenden.

Tonner fordert Bewusstseinskampagne: Hohe Standards haben ihren Preis!
Franz Tonner zeigte sich davon überzeugt, „dass jeder darauf schaut, möglichst wenig Geld für Lebensmittel auszugeben, da viele es lieber für Freizeitaktivitäten und Statussymbole ausgeben. Um diesen Trend entgegenzuwirken müssen wir bei der Bewusstseinsbildung ansetzen“, ist der Bauernbunddirektor überzeugt. „Lebensmittel sind Mittel zum Leben und haben ihren Wert!“ In Österreich gäbe es die höchsten Tierschutz-, Umwelt- und Lebensmittelstandards. „Und darauf sind wir alle stolz“, betont Tonner. Wenn aber die Gesellschaft derart hohe Standards fordere, müsse auch die Bereitschaft da sein, für diese Qualität zu zahlen.

Holzer: Der typische Österreicher ist ein Schnäppchenjäger und Aktionskäufer!
Christoph Holzer führt die verminderten Ausgaben für Lebensmittel unter anderem auf die Revolution in der Produktion zurück. So seien beispielsweise die Düngemittel heute viel effektiver als früher, was wiederum zu einer massiven Steigerung der Produktionsmenge führe und sich in Folge auch auf den Preis auswirke. „Außerdem ist der typische Österreicher ein Schnäppchenjäger und Aktionskäufer. In Deutschland beispielsweise gibt es ein weitaus niedrigeres Aktionsangebot – dafür ist der Diskonteranteil mit 50 Prozent aller Lebensmittelgeschäfte doppelt so hoch wie bei uns.“

Die Zukunft heißt Regionalität!
Einig war man sich darüber, dass Wirtschaft, Landwirtschaft und Konsument an einem Strang ziehen müssen, um die hohen Lebensstandards auch in Zukunft gewährleisten zu können. Mit dem Trend zur „Regionalität“ wurde bereits ein Schritt in die richtige Richtung eingeschlagen. Mit den Worten: „Wir waren schon mal mehr, aber selten wurde so engagiert diskutiert“, schloss Eisel-Eiselsberg die hochemotionale Diskussion beim DiensTalk.