„Transparentes Wartezeitenregime wird eingeführt“

Gesundheitslandesrat Mag. Christopher Drexler: „Die mediale Berichterstattung und die politische Agitation der Oppositionsparteien der letzten Wochen haben mich veranlasst, an die Öffentlichkeit zu treten, um ein paar Klarstellungen zu treffen und eventuellen Ängsten der steirischen Patientinnen und Patienten entgegenzuwirken.

Eines vorweg: Ich lasse mir die gesundheitliche Versorgung in unseren Spitälern nicht schlechtreden und zwar von niemandem. Trotzdem gilt es aber, jedem Hinweis auf allfällige Unzulänglichkeiten nachzugehen. Und wenn mir nun schon fast täglich über unzumutbare Wartezeiten in diversen Bereichen berichtet wird, so sage ich: Jeder Tag, den ein Patient unnotwendigerweise auf einen medizinischen Eingriff warten muss, ist ein Tag zu viel!“

KAGes-Vorstand Dipl. KHBW Ernst Fartek, MBA, Landesrat Mag. Christopher Drexler, KAGes-Vorstandsvorsitzender Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg  © Pachernegg

KAGes-Vorstand Dipl. KHBW Ernst Fartek, MBA, Landesrat Mag. Christopher Drexler, KAGes-Vorstandsvorsitzender Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg © Pachernegg

Unfallchirurgie:
Die bekannten Umstände an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie haben den Verdacht erweckt, dass sie auch Auswirkungen auf die Wartezeiten bzw. Wartelisten haben könnten. Durch die mediale Berichterstattung ist eine Verunsicherung in der Bevölkerung entstanden, obwohl in den letzten Wochen und Monaten bereits Maßnahmen gesetzt wurden.
Noch bevor österreichweit die gesetzlichen Grundlagen für das neue Fach „Orthopädie und Traumatologie“ beschlossen wurden, haben wir bereits in der Steiermark ein Pilotprojekt in diese Richtung gestartet und einen gemeinsamen Fachbereich eingerichtet. Durch die Zusammenlegung der Unfallchirurgie mit der Orthopädie können Synergien genutzt und dadurch Kapazitätsengpässe vermieden werden.
Aufgrund des aktuellen Vorwurfes über unzumutbare Wartezeiten auf der Unfallchirurgie wurde mit allen infrage kommenden Patienten telefonisch Kontakt aufgenommen. Dabei hat sich gezeigt, dass sich die Anzahl der tatsächlich auf einen Eingriff Wartenden wesentlich reduziert hat, da sie mittlerweile entweder beschwerdefrei waren oder allfällige Nachbehandlungen bereits anderswo in Anspruch genommen hatten.
Darüber hinaus wurde eine Zuweisung der Patientinnen und Patienten entsprechend ihren Wohnorten auch auf die Landeskrankenhäuser Judenburg-Knittelfeld, Hochsteiermark, Feldbach-Fürstenfeld und Wagna durchgeführt.
Am kommenden Montag werde ich ein gemeinsames Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universitätsklinik für Unfallchirurgie führen, mit dem Ziel abschätzen zu können, ob weitere Maßnahmen gesetzt werden müssen.

Augenheilkunde:
Im Bereich der Augenheilkunde gibt es bedauerlicherweise Wartezeiten, weshalb ich auch für diesen Bereich Maßnahmen angeordnet habe.
Wartezeiten richten sich grundsätzlich nach der medizinischen Dringlichkeit. Es gibt tatsächlich in den letzten Jahren einen dramatischen Anstieg an Eingriffen am Auge. Die Erklärung dafür liegt im Wesentlichen am medizinischen Fortschritt und in der demographischen Entwicklung. In den letzten Jahren ist es gelungen, die Behandlungsqualität bei einer häufigen Alterserkrankung, der altersbedingten Netzhautdegeneration – die ohne schnellen Eingriff im Gegensatz zum Katarakt zur Erblindung führen würde – stark zu verbessern. Diese Operationen können nicht aufgeschoben werden, mehrmalige Behandlungen sind notwendig.
Erschwert wird die Situation auch dadurch, dass allein an der Universitätsklinik für Augenheilkunde Graz pro Jahr rund 350 langfristig geplante und bereits eingeteilte Katarakt-Operationen von Patientinnen und Patienten einfach nicht wahrgenommen werden, sodass kurzfristige Dispositionen nicht mehr möglich sind.

Folgende konkrete Maßnahmen wurden zur Behebung der Problematik im Bereich der Augenheilkunde an den Standorten Graz und Bruck bisher gesetzt:

Graz:
• Implementierung einer dritten Dienstschicht am Nachmittag
• Erhöhung der Zahl der tagesklinischen Eingriffe
• Ausbildung zusätzlicher Operateure
• (derzeit 9 Operateure für Katarakte; im März und April startet je ein Operateur die Ausbildung, im Herbst beginnen zwei Operateure mit der Ausbildung)
• Telefonische Überprüfung der Wartelisten

Bruck:
• Aktive Mitarbeit am Projekt „Transparentes Wartezeitenregime“
• Erhöhung der tagesklinischen Katarakt-Operationen
• Ausbildung zusätzlicher Operateure
• Telefonische Überprüfung der Wartelisten

Transparentes Wartezeitenregime
Zusätzlich zu den bereits erläuterten Maßnahmen zum Abbau der Wartelisten wurden die Vorstände der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft mbH von mir beauftragt, das Projekt „Transparentes Wartezeitenregime“ rasch voranzutreiben, damit bis zum 31.12.2015 neben den Kapazitäts- und Strukturanpassungen

  • ein standardisiertes Berichtsprozedere,
  • einheitliche Tools für die Planung und Auswertung sowie eine
  • optimierte Terminvergabe

in den Fächern Augenheilkunde und Optometrie, Orthopädie und Orthopädische Chirurgie sowie Neurochirurgie zur Verfügung stehen.

„Mein Ziel ist es, ein gerechtes, transparentes, für alles Steirerinnen und Steirer nachvollziehbares Steuerungs- und Informationssystem anbieten zu können.

Krankheit und Pflegebedürftigkeit sind Extremsituationen im Leben jedes Menschen, in einer solchen Situation will niemand Kompromisse machen, daher sind mir die dargelegten Maßnahmen ein besonderes Anliegen“, so Gesundheitslandesrat Christopher Drexler.