Exporteure und Dienstleister als Arbeitsmarkt-Motoren

Ein Beschäftigungswachstum von rund 4.000 zusätzlichen Jobs und damit einen neuen Beschäftigungsrekord erwartet Joanneum Research für den steirischen Arbeitsmarkt im Jahr 2014. Als Motoren des Arbeitsmarktes kristallisieren sich immer stärker exportorientierte Produktionsbetriebe und wissensintensive Dienstleister heraus.

Wirtschaftslandesrat Dr. Christian Buchmann sieht darin Bestätigung und Auftrag zugleich: „Die Ergebnisse zeigen, dass wir auch in Zukunft konsequent in den Export investieren und weitere steirische Unternehmen motivieren müssen, den Sprung auf internationale Märkte zu wagen, um Arbeitsplätze in der Heimat zu sichern und neue zu schaffen. Gleichzeitig muss die neue Bundesregierung den bildungspolitischen Stillstand der letzten Jahre rasch beenden und eine Bildungsreform umsetzen, die diesen Namen auch wirklich verdient.“

Mag. Claudia Brandstätter-Kobalt (Brandstätter Matuschkowitz Marketing GmbH), Dr. Christian Buchmann (LR für Wirtschaft, Europa und Kultur), Dr. Franz Prettenthaler (Leiter Forschungsgruppe Regionalpolitik, Risiko- und Ressourcenökonomik bei Joanneum Research).©Kommunikation Steiermark/Leiß

Mag. Claudia Brandstätter-Kobalt (Brandstätter Matuschkowitz Marketing GmbH), Dr. Christian Buchmann (LR für Wirtschaft, Europa und Kultur), Dr. Franz Prettenthaler (Leiter Regionalpolitik, Risiko- und Ressourcenökonomik bei Joanneum Research).
©Kommunikation Steiermark/Leiß

Laut der aktuellen Beschäftigungs- und Arbeitsmarktprognose von Joanneum Research, wird die Steiermark heuer mit 469.000 Beschäftigungsverhältnissen im Jahresschnitt einen neuen Höchststand erreichen. Dennoch blieben die Entwicklungen 2013 vor allem wegen der Strukturprobleme in Süd- und Südosteuropa sowie der Großpleiten „Alpine“ und „Dayli“ unter den Erwartungen der Wirtschaftsforscher. Mit einer Steigerung der Beschäftigung von 0,3 Prozent, was rund 1.400 zusätzlichen Jobs entspricht, wird die Steiermark unter dem Österreichschnitt von plus 0,6 Prozent liegen. „Im produzierenden Bereich konnten heuer nur exportstarke Unternehmen der Kernbranchen Metall, Fahrzeugbau und Maschinenbau zulegen. Größter Wachstumsträger ist der Dienstleistungssektor, vor allem jener der wissensintensiven Dienstleistungen, wie zum Beispiel EDV, Consulting, Marktkommunikation und Ingenieurwesen“, betont Dr. Franz Prettenthaler von Joanneum Research.

Human Resources Forecast 2014 als PDF

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2014 sollte der Aufschwung am Arbeitsmarkt stärker ausfallen: Mit einem Beschäftigungsplus von 0,9 Prozent fällt die Prognose für die stark exportorientierte Wirtschaft in der Steiermark auch wieder besser aus als der Bundesschnitt (plus 0,8 Prozent). Dies würde einen neuerlichen historischen Höchststand von rund 473.000 Aktivbeschäftigten im Jahresschnitt 2014 bedeuten. Vor allem das für den wichtigsten Handelspartner Deutschland im kommenden Jahr erwartete Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent und die positive Entwicklung der EU-28 mit plus 1,3 Prozent  geben Anlass zu entsprechendem Optimismus.

Fachkräftemangel bleibt ein akutes Problem
Ergänzend zur Beschäftigungs- und Arbeitsmarktprognose wurde heuer zum zweiten Mal der Human Resources Forecast, eine repräsentative Umfrage unter den Personalmanagern von 100 der größten steirischen Arbeitgeber-Betriebe aus Industrie, Gewerbe und Handel durchgeführt. Laut dieser Erhebung werden 58 Prozent der befragten Unternehmen in den kommenden sechs Monaten ihren Beschäftigungsstand stabil halten. Bei jenen Betrieben, die mit einer Veränderung des Beschäftigtenstands rechnen, werden zwei Drittel qualifizierte Fachkräfte aufbauen. Der Bedarf wird allerdings nicht leicht zu decken sein: 61 Prozent der Befragten orten einen Fachkräftemangel – sowohl in der Produktion als auch im wettbewerbsentscheidenden Bereich Forschung und Entwicklung.

„Wirtschaftspolitik braucht Information aus erster Hand“
Landesrat Buchmann sieht im Human Resources Forecast eine wichtiges Instrument zur Unterstützung der Politik: „Ich danke den Unternehmen für ihr Feedback.DiePolitik kann weder Arbeitsplätze schaffen noch Exporterfolge erzielen. Wir können aber über Förderungsprogramme, Kompetenzzentren, Cluster und Netzwerke sowie laufende Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Unternehmen unterstützen. Je genauer uns die Betriebe über die aktuellen Problemstellungen informieren, desto gezielter können wir in der Umsetzung der Wirtschaftsstrategie Steiermark 2020 agieren. Informationen aus erster Hand sind daher unverzichtbar.“ Dass die Steiermark mit ihrer Strategie „Wachstum durch Innovation“ im europäischen Vergleich vorbildhaft agiert, beweist die Auszeichnung zur „Europäischen Unternehmerregion 2013“ durch die EU.

Sozialkompetenz noch wichtiger als Branchenerfahrung
Die vielzitierte „fachliche Qualifikation“ ist – wenig überraschend – nach wie vor das meistgenannte Auswahlkriterium bei der Aufnahme neuer Mitarbeiter. Für 82 Prozent der vom Marktforschungsunternehmen bmm befragten Human Resources Manager ist sie die wichtigste Voraussetzung. Dahinter folgen allerdings nicht etwa die „branchenbezogene Berufserfahrung“ (28 Prozent der Nennungen) oder bereits absolvierte „Weiterbildungsmaßnahmen“ (13 Prozent), sondern die Sozialkompetenz. 63 Prozent aller Interviewpartner nennen die von Bewerbern vermittelte „Sozialkompetenz“ als wichtigstes Aufnahmekriterium. Die Grazer Marktforscherin Mag. Claudia Brandstätter-Kobalt erläutert: „Die Präsentation der eigenen Persönlichkeit, Teamorientierung und gute Umgangsformen sind wichtiger denn je. Die Unternehmen wissen, dass sich der menschliche Faktor entscheidend auf die Produktivität einer Organisation auswirkt.“

Niedrige Bildung als Barriere beim (Wieder-)Einstieg in den Beruf
Trotz eines neuen Beschäftigungsrekordes steigt 2013 auch die die Zahl der beim AMS vorgemerkten Personen (arbeitslos oder in Schulung)  in der Steiermark im Jahresschnitt um 8,7 Prozent oder 3.800 Personen auf 47.500 Arbeitssuchende. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,6 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent, was aber unter dem erwarteten österreichischen Durchschnittswert von 7,6 Prozent liegt. Für 2014 geht Joanneum Research von einer weiteren Steigerung um 0,1 Prozent aus. „Männer und Frauen, junge und ältere Personen sind gleichermaßen betroffen, Arbeitssuchende mit niedrigem Bildungsniveau oder solche mit Migrationshintergrund allerdings in deutlich höherem Ausmaß“, so Prettenthaler.

Auch für Buchmann ist angesichts dieser Ergebnisse klar, dass die betriebliche Qualifizierung ein wesentlicher Schwerpunkt im Wirtschaftsressort bleibt: „Wir unterstützen die Aus- und
Weiterbildung von Unternehmern und ihren Mitarbeitern mit einer Reihe von Förderungsprogrammen der SFG und setzen mit Initiativen wie der Erlebniswelt Wirtschaft oder Take Tech einen wichtigen Impuls, um insbesondere jungen Menschen zu zeigen, welche Karrierechancen in den steirischen Unternehmen existieren.“

Erwartungen der Unternehmen an das Bildungssystem
Fast alle beim Human Resources Forecast befragten Unternehmen nennen spontan und ungestützt konkrete Vorschläge für die Reform des österreichischen Bildungssystems. Den größten Bedarf sehen die HR-Manager bei einer besseren Basisausbildung in den Grundschulen (38 Prozent), gefolgt von einer engeren Zusammenarbeit mit Betrieben und mehr Praxisbezug.
Vielfach gewünscht werden effiziente Eignungstests für angehende Lehrer sowie eine Neuausrichtung der Lehrerausbildung. „Es kann nicht sein, dass das heimische Schulsystem heute noch immer gleich funktioniert, wie vor 35 Jahren. Eine schlechte Allgemeinbildung, schlechte Grundkenntnisse der Bewerber bei Schreiben, Lesen und Rechnen und ein zu geringer Praxisbezug in der Ausbildung sind jene Kritikpunkte, die ich seit Jahren bei nahezu allen Betriebsbesuchen in der Steiermark zu hören bekomme. Wenn Österreich im internationalen Standortwettbewerb langfristig konkurrenzfähig bleiben möchte, müssen wir sicherstellen, dass die Unternehmen die Nachfrage nach exzellent qualifizierten Fachkräften decken können. Dazu muss die neue Bundesregierung die ideologischen Debatten der vergangenen Jahre beenden und eine echte Bildungsreform im Interesse der Jugend umsetzen. Der Bedarf und die Vorschläge der Unternehmen müssen die Grundlage dafür sein“, fordert Landesrat Buchmann abschließend.