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"Der teure Turmbau zu Gosdorf"
Lesen sie hier den Artikel von Claudia Gigler zum Gosdorfer "Murturm".
Gosdorfer Bürgermeister ist der SP-Landesgeschäftsführer Toni Vukan...
Der teure Turmbau zu Gosdorf
Um 382.000 Euro sollte der Murturm errichtet werden. Jetzt fordert die Stahlbaufirma 1,5 Millionen. Bürgermeister Anton Vukan wundert sich. Die Opposition auch.
Gosdorf in der Südsteiermark, rund 1000 Einwohner, eine traditionell schwarze Gemeinde, von der SPÖ erobert. Der Bürgermeister, Anton Vukan, ist Landesgeschäftsführer der SPÖ. Und er wollte Akzente setzen in seiner Gemeinde. Eine Begegnungshalle und der Murturm wurden gebaut.
Um 382.000 Euro wurde der Murturm im Jahr 2008 ausgeschrieben. 1,515.684,79 Euro brutto forderte die Baufirma GLS aus dem oberösterreichischen Perg am 30. Oktober 2009 per Einschreiben ein. Eine Vervierfachung des Betrages. Die Kosten für den Betonsockel - 49.000 Euro - hatten sich wenigstens "nur" auf 72.000 Euro erhöht.
Wie konnte das geschehen?
Vukan bleibt cool. Die ÖVP wolle ihn nur fertig machen, politisch. Gezahlt werde nur, was schriftlich vereinbart sei: Die 72.000 Euro für den Beton, die 382.000 Euro für den Stahl (beides bereits überwiesen), und 90.000 Euro, die man wegen Preiserhöhungen beim Stahl akzeptiert habe. Der Anwalt sei eingeschaltet. Für Ausschreibung und Schlussrechnung zuständig ist der Münchner Architekt Klaus Loenhart, Professor an der Grazer TU. Auch er ist der Meinung, das sei nicht zu zahlen.
Gerhard Rauch ist Gemeindekassier von Gosdorf. Von der ÖVP. Ihm steigen im Gegensatz zu Vukan die Grausbirnen auf, und das bereits seit einem Dreivierteljahr. Von den 1,5 Millionen weiß er erst seit der Gemeindevorstandssitzung am 28. Jänner.
Schon im April des Vorjahres hatte es geheißen, die Kosten steigen. Rauch forderte Aufklärung. Vukans Reaktion: Die Zahlen seien Fantasie, aber ein bisschen mehr werde der Turm schon kosten. Gezahlt werde nur, was vereinbart sei. Gegen einen Weiterbau spreche nichts.
Überwiesen wurden inzwischen 586.000 Euro für Stahl, Beton, die Planung (90.000 Euro) und Diverses. Für nur 500.000 Euro gibt es einen Gemeinderatsbeschluss. Im Dezember dann das Bekenntnis Vukans: Weitere 90.000 Euro mehr habe er der GLS zugestanden, wegen höherer Mengen und Preise beim Stahl, und wegen notwendiger Nachplanungen. Die ÖVP ist erregt. Jetzt herrscht endgültig Krieg. Sogar die gemeinsame Weihnachtsfeier wird von Vukan abgesagt. Im Budget sind weder Folge noch Anwaltskosten berücksichtigt.
Seit 28. Jänner, dem Tag an dem die 1,5 Millionen bekannt wurden, ist Feuer am Dach. Die Firma bleibt vorerst stumm und lässt ihrerseits die Anwälte sprechen.
Vukan sagt, nur der Fristerstreckung habe er zugestimmt. Aus sechs Wochen auf der Baustelle wurde ein halbes Jahr, die Fertigstellung zog sich bis Ende 2009.

dazu der Kommentar, ebenfalls von Claudia Gigler:
Kopf im Sand
Eine ganz normale Gemeinde, ein ganz normaler Bürgermeister, ein ganz normales Anliegen: Der Bürgermeister von Gosdorf, Anton Vukan, wollte aus seiner Gemeinde ein Schmuckstück machen. Auch, um der Ex-ÖVP-Gemeinde als SPÖ-Bürgermeister zu zeigen, wie man's besser macht.
Er steht vor einem Scherbenhaufen. Wie immer der Rechtsstreit ausgeht: Der Imagegewinn ist futsch, die Kosten sind schon jetzt höher als geplant, und weiterer Schaden noch nicht absehbar.
Sein Irrtum besteht darin, selbst zu glauben, die Distanz des politischen Gegners zum Projekt sei schuld. Kritische Fragen sind kein Problem, sondern sollten Ansporn sein, das eigene Wollen wasserdicht zu machen.
Dem Landesgeschäftsführer der SPÖ sind die Dinge in seiner Gemeinde offenbar aus dem Ruder gelaufen und anstatt die Opposition zu informieren, auch wenn's weh tut, und mit dem Auftragnehmer frühzeitig Klartext zu reden, schottete er sich mit der eigenen Fraktion ab und steckte den Kopf in den Sand.
Der Artikel auf kleinezeitung.at
Der Kommentar auf kleinezeitung.at




















































