Fachkräfte gesucht: Meister statt Master

„Die österreichische Wirtschaft ist endlich wieder im Aufschwung und die steirischen Unternehmen könnten noch weit mehr Aufträge annehmen, hätten sie die entsprechenden Fachkräfte dazu. Das ist ein großes Problem. Was sind die Ursachen für diesen Mangel? Liegt es am Image des Lehrberufs? Liegt es am Bildungssystem? Oder liegt es an der Entlohnung?“ so der Landesgeschäftsführer der Steirischen Volkspartei, Detlev Eisel-Eiselsberg, in seinen Eröffnungsworten beim gestrigen DiensTalk.

Steirischer Industrie fehlen 2.000 Fachkräfte
„Es ist leider immer noch langläufig so, dass die Meinung vorherrscht, wenn man nicht geeignet ist für eine höhere Schule dann macht man eine Lehre. Dieses Bild der Lehre ist absolut falsch und nicht mehr zeitgemäß. Die Lehre ist ein Zukunftsberuf!“ betonte der Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark, Georg Knill. Er wies darauf hin, dass die steirische Industrie derzeit mehr als 2.000 Fachkräfte sucht. „Das sind Jobs mit Zukunft, das sind Jobs mit guter Bezahlung!“

Detlev Eisel-Eiselsberg, Georg Knill, Andreas Salcher, Moderator Michael Fleischhacker © STVP/Foto Fischer

Negatives Image beeinflusst Wahl der Ausbildung
Für Andreas Salcher, Bildungsexperte und Mitglied im Expertenteam von Sebastian Kurz bei den Koalitionsverhandlungen, beginnt die Problematik bereits viel früher. „Wenn in der Volksschule ein Kind handwerklich geschickt, sehr sportlich, künstlerisch begabt ist oder sich sozial besonders engagiert, kommt dieses Kind bei den Mitschülern zwar gut an, aber die Lehrer und Eltern werden immer jene Kinder bevorzugen, die gut in Mathematik und Deutsch sind.“ Dadurch werde bereits in der Kindheit ein negatives Image für handwerkliche Berufe geprägt.

Lehre ist kein Einbahnsystem
Auch Knill ist davon überzeugt, dass am Image der Lehre gearbeitet werden muss. „Ich glaube es beginnt mit Kleinigkeiten, dass man zum Beispiel den Begriff der Lehrlingsentschädigung aus dem Sprachgebrauch nimmt. Lehrlinge werden nicht entschädigt, Lehrlinge sollen ein anständiges Gehalt bekommen.“ Die Lehre sei auch schon längst kein Einbahnsystem mehr, im Gegenteil: „Sie ist so durchlässig, dass man von der Lehre aus über die Matura bis zum Diplomingenieur und Manager alle Möglichkeiten offen hat. Heute ist ein qualifizierter Facharbeiter mindestens gleichwertig in der Funktion und auch in der Entlohnung wie ein Hochschulabsolvent.“

Unternehmen sind gezwungen Ersatzschule zu spielen
Salcher sieht auch in der Bildungspolitik einen enormen Handlungsbedarf: „Ein wesentlicher Grund ist, dass jedes fünfte Kind in Österreich nach neun Jahren Schulzeit nicht ausreichend die Grundfertigkeiten, wie sinnerfassend lesen, schreiben und rechnen beherrscht, und damit entziehen wir unserem Ausbildungssystem eine ganz wesentliche Grundlage. Daher gibt es viele Unternehmen, vor allem in Ostösterreich, die aus der Lehrlingsausbildung ausgestiegen sind, weil sie sagen, ihre Aufgabe kann es nicht sein Ersatzschule zu spielen. Und diesen Trend müssen wir umkehren!“