Flexiblere Arbeitszeiten: Wer nicht mit der Zeit geht …

„Starre Arbeitszeiten rücken immer mehr in den Hintergrund und flexiblere Modelle werden immer beliebter, sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Arbeiternehmerseite, die Blickwinkel sind jedoch unterschiedlich“, mit diesen Worten eröffnete der Landesgeschäftsführer der Steirischen Volkspartei, Detlev Eisel-Eiselsberg, den gestrigen DiensTalk. In der Parteizentrale am Karmeliterplatz diskutierten Angelika Kresch, Obmann der Sparte Industrie Steiermark und Horst Schachner, Vorsitzender des ÖGB Steiermark, unter der Moderation von Michael Fleischhacker über die Notwendigkeit flexiblerer Arbeitszeiten und wie eine konkrete Umsetzung aussehen könnte.

Michael Fleischhacker, Horst Schachner, Angelika Kresch, Detlev Eisel-Eiselsberg   © STVP/Fischer

Michael Fleischhacker, Horst Schachner, Angelika Kresch, Detlev Eisel-Eiselsberg © STVP/Fischer

Kresch für 12-Stunden-Tag
„Wir als Arbeitgeber der mittelständischen Industriebetriebe haben oft ein echtes Problem mit 10 Stunden Arbeit pro Tag. In Zeiten von Auftragsspitzen wären auch 90 Prozent der Arbeitnehmer bereit 12 Stunden zu arbeiten, um dann entsprechend mehr Freizeit zu haben“, ist Kresch überzeugt, setzt aber nach: „Wir dürfen das laut Arbeitszeitgesetz derzeit nicht, dieses muss endlich auf Standards kommen, die dem 21. Jahrhundert Rechnung tragen.“

Schachner für Arbeitszeitverkürzung
Schachner hingegen ist der Meinung, „wir haben bereits genug flexible Arbeitszeiten und müssen darüber nachdenken, wie diese in Unternehmen umgesetzt werden könnten“. Eine Erhöhung der täglichen Arbeitszeit auf 12 Stunden lehnt er strikt ab – im Gegenteil, er tritt für eine Arbeitszeitverringerung ein: „Aufgrund der Industrie 4.0 mit der Digitalisierung wird es weniger Arbeitsplätze geben, daher müssen wir generell mit der Arbeitszeit runter.“

Angelika Kresch widerspricht dem Gewerkschafter: „Eine deutsche Studie zeigt auf, dass 750.000 Arbeitsplätze durch die Digitalisierung verloren gehen, aber eine Million neue Jobs in vielen anderen Bereichen geschaffen werden. Außerdem müssen wir in die Zukunft schauen und dürfen uns nicht vor der Digitalisierung fürchten, sondern müssen sie als Chance sehen und wahrnehmen.“

Auch im Publikum war man der Meinung, dass der Fortschritt nicht aufzuhalten ist, und Österreich neue Arbeitszeitmodelle andenken muss um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Eisel-Eiselsberg betonte abschließend, dass von flexibleren Arbeitszeiten durchaus alle Beteiligten profitieren können: „Wenn man das vernünftig und gut macht, partnerschaftlich angeht, haben beide Seiten etwas davon, der Unternehmer, der Arbeit gibt und der Arbeitnehmer, der Arbeit bekommt.