„In Europa schauen wir nicht über den Kirchturm hinaus.“

Green Dreams – Black Future  –  ein überaus informativer DiensTalk zum Energiethema fand mit Top-Manager Prof. KR Ing. Siegfried Wolf und Energieexperten Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Karl Rose  in der Zentrale der Steirischen Volkspartei statt. Die beiden Diskutanten stellten sich der Thematik der Energiewende mit grünen Produktionsweisen und sprachen über die sichere, leistbare und nachhaltige Energieversorgung der Zukunft.

Mehrheit für alternative Energieformen
Bei der Publikumsfrage sprach sich die Mehrheit von über 80 % dafür aus, dass der Energiebedarf überwiegend aus alternativen Energieformen gedeckt werden soll.  Für Siegfried Wolf sind jedoch alternative Energieformen für die Wirtschaft finanziell nicht darstellbar. „Im Gas-Sektor haben wir bei weitem nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft und vor allem bei der Mobilität, im automotiven Bereich, könnte man mit Gas viel machen“, so Wolf.

Karl Rose, Siegfried Wolf, Heidi Glück, Detlev Eisel-Eiselsberg © STVP/Foto Fischer

Karl Rose, Siegfried Wolf, Heidi Glück, Detlev Eisel-Eiselsberg © STVP/Foto Fischer

Öl und Gas auch in Zukunft von höchster Bedeutung
Für Karl Rose ist klar, dass Ölkonzerne noch 40 bis 50 Jahre ein gutes Geschäftsleben vor sich haben. Es ist zwar der Zugang zum Öl schwieriger geworden, deshalb müssen sich die Konzerne auf Nieschen in der Förderung konzentrieren. Weiters ging Rose auf die Problematik der Gaskraftwerke ein: „Durch die Überförderung der Photovoltaik in Deutschland sind Kraftwerke wie Mellach nicht mehr rentabel. Österreich und Europa ertrinken derzeit an einem Überangebot an Strom.“ Dabei sei zu betonen, dass die deutsche Energiewende dazu geführt hat, dass die CO2 Emissionen in Deutschland gestiegen sind, da der Betrieb von Braunkohlekraftwerken im Vergleich zu teureren Gaskraftwerken konkurrenzfähiger ist. Die USA konnte dagegen die CO2 Emissionen senken, da stark auf die Schiefergasproduktion gesetzt wurde und dadurch können in den USA auch Atomkraftwerke geschlossen werden. War in Vergangenheit die USA bei internationalen Klimakonferenzen meistens keine besonders treibende Kraft in Sachen CO2 Einsparung, so ist den Amerikanern der Turnaround und eine Energiewende gelungen. „Ich bin der Meinung, dass wir in Europa Schiefergas nicht fördern sollen. Deshalb war es ein historischer Fehler, dass wir keine Freundschaft zu Russland aufgebaut haben. Das Ziel muss sein, dass wir in freundschaftlicher Beziehung zu Russland stehen“, zeigte sich Rose überzeugt.

Wolf wünscht sich mehr wirtschaftliche Vernunft
Für Wolf ist es unerlässlich, dass sich Europa zu großräumigen Energiekonzepten bekennt. Der überbürokratisierte Energiebereich gehöre entflechtet. „Bei der Diskussion der Energiefrage dürfe es keine Tabus geben. Man sollte sich auch Nuklearanlagen in Kleinformat überlegen. Ich kann mir die Grundauslastung mit kleinen, überschaubaren nuklearen Anlagen vorstellen“, sagte Wolf, der das Risiko in diesem Fall für gering hält. Beide Experten sind davon überzeugt, dass Energie die neue Weltwährung ist. Auf die Sanktionen mit Russland ging Wolf ein: „Menschenrechte stehen für mich über allem. Aber die Menschen wollen keine Sanktionen. Ich wünsche mir mehr wirtschaftliche Vernunft, aber wir in Europa schauen nicht über den Kirchturm hinaus.“ Die Russen würden sich nicht ernst genommen fühlen und für Europa wäre es wichtig den Weg der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu gehen.