Schützenhöfer: „Wir wollen den Sozialstaat sturmfest machen.“

Die aktuelle Ausgabe des „politicum“ wurde im Rahmen einer Präsentation im Landhaus Graz vorgestellt. Es beschäftigt sich mit der Jugendarbeitslosigkeit und der daran anknüpfend notwendigen Maßnahmen und Reformen in der Arbeitswelt.

Als Herausgeber fungieren der renommierte Wirtschaftsforscher Prof. Dr. Bernhard Felderer, Wirtschaftslandesrat Dr. Christian Buchmann sowie der Vizepräsident der Arbeiterkammer Steiermark, Franz Gosch. Die Beiträge stammen von Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft, Politik, Interessensvertretung und Arbeitsmarktservice. Für die redaktionelle Gesamtleitung zeigt sich Ass.-Prof. Dr. Klaus Poier verantwortlich.

AK-Vizepräsident Franz Gosch, Prof. Dr. Bernhard Felderer, Landeshauptmann-Stv. Hermann Schützenhöfer © STVP/Fischer

Schützenhöfer: „Sozialstaat sturmfest machen“
Landeshauptmann-Stv. Hermann Schützenhöfer sagte in seinen einleitenden Worten, dass eine wichtige staatliche Maßnahme um Arbeitslosigkeit zu bekämpfen die Investition in Bildung und Forschung ist. „Wenn junge Menschen gut ausgebildet sind, dann gibt es die großen Formen der Arbeitslosigkeit nicht“, so Schützenhöfer. Arbeit hat mit der Sinnerfüllung des Lebens zu tun und es ist kein Trost, dass im Vergleich zu anderen europäischen Staaten die Arbeitslosigkeit in Österreich niedriger ist. Der Staat müsse Schwerpunkte setzen, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Besonders erfreulich und ein Beweis für die Bemühungen der steirischen Landespolitik ist, dass die Steiermark bei Forschung und Entwicklung zu den Top-Regionen in Europa zählt.

Schützenhöfer bezog auch Stellung zur aktuellen Budgetsituation im Bund: „Beim Bund steht der Zeiger auf 12 Uhr und die Bundesregierung darf jetzt keine Zeit verlieren. Die Zeit ist reif um die Wahrheit auf den Tisch zu legen.“ Kritisch zeigte sich Schützenhöfer über die staatliche Ausgabenpolitik: „Eine Strukturreform muss zügig umgesetzt werden, denn wir wollen den Sozialstaat für jene die ihn brauchen, sturmfest machen.“ Schützenhöfer appellierte, die Probleme zu erkennen und endlich die großen Aufgaben anzupacken.

Felderer: „Erfolgsmodell duale Ausbildung
Prof. Dr. Bernhard Felderer zeigte sich von der Rede Schützenhöfers beeindruckt, denn Schützenhöfer würde sich als einer der wenigen Politiker auch trauen, Tabuthemen anzusprechen. Strukturreformen befindet auch Felderer für notwendig um die großen Herausforderungen angehen zu können. Er attestierte, dass Österreich im Arbeitsmarkt immer schon gut gewesen ist, aber das Problem der Jugendarbeitslosigkeit schon längere Zeit besteht. Dennoch sei die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich im Vergleich mit anderen europäischen Staaten eine der geringsten. Nur seit der Krise ist die Problematik stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Als Erfolgsmodell nannte Felderer das duale Ausbildungssystem in Österreich. „Hätten auch andere europäische Staaten das duale Ausbildungssystem, würde dort die Arbeitslosigkeit deutlich geringer sein“, so Felderer und ergänzte: „Wir müssen in Österreich darauf schauen, dass die Jugendlichen früh mit der Praxis in Kontakt treten.“ Denn das würde Arbeitgeber motivieren junge Arbeitskräfte einzustellen. Auch Felderer nannte das Bildungssystem von zentraler Bedeutung um Jugendarbeitslosigkeit einzudämmen. Felderer fordert auf, wichtige langfristige Projekte, welche der Entwicklung Österreichs dienen, endlich anzugehen und nicht weiter zu verschleppen.

Das politicum 116 kann beim Verein für Politik und Zeitgeschichte in der Steiermark, Karmeliterplatz 6, 8010 Graz, Tel. 0316/60744-4350, e-mail politicum@stvp.at, angefordert werden.