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Waltraud Klasnic mit dem Ehrenring des Landes Steiermark ausgezeichnet

Heute Vormittag (28.10.2020) überreichte Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer in der Aula der Alten Universität in Graz der ehemaligen Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic den Ehrenring des Landes Steiermark. An der feierlichen Überreichung nahmen unter anderem Bundeskanzlerin a. D. Brigitte Bierlein, Landeshauptmann-Stellvertreter Anton Lang, die Landesrätinnen Juliane Bogner-Strauß und Barbara Eibinger-Miedl, die Landesräte Christopher Drexler und Hans Seitinger, ÖVP-Klubobfrau Barbara Riener, Landtagspräsidentin Manuela Khom sowie Familienangehörige und Wegbegleiter der Geehrten teil.

LH Schützenhöfer hob in seiner Laudatio die wichtigsten Lebensstationen von Klasnic hervor. © Fotos: Land Steiermark/Foto Fischer

Mit der Verleihung des Ehrenrings – der höchsten Auszeichnung des Landes Steiermark – würdigte LH Schützenhöfer das Lebenswerk der ersten Frau an der Spitze eines österreichischen Bundeslandes. „Der heutige Festakt, der zu Ehren von Waltraud Klasnic abgehalten wird, ist eine Feierstunde für eine Persönlichkeit, die in eindrucksvoller Weise für unser Land gewirkt und gearbeitet hat. Den allermeisten von Ihnen ist Waltraud Klasnic bestens bekannt und Sie könnten – genauso wie ich – lange über die vielen Facetten ihres Lebens und Wirkens erzählen“, so Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, der im Rahmen seiner Ansprache betonte: „Liebe Waltraud, du hast dich immer den menschlichen Schicksalen angenommen. Mit deinem Engagement hast du dich den Menschen in ganz besonderer Weise stets hilfs- und zuhörbereit gezeigt. Du hast vielerlei wertvolle Aufgaben für unsere Gesellschaft übernommen und dich mit außergewöhnlicher Initiative und unermüdlichem Engagement für deine Mitmenschen eingesetzt. Ich und alle heute anwesenden Personen danken dir für deine vielfältigen Verdienste rund um die Steiermark. Ich freue mich ganz besonders, dir heute stellvertretend für das Land Steiermark und ihre Menschen den Ehrenring des Landes Steiermark überreichen zu dürfen.“

„Ich danke Waltraud Klasnic für ihre Verdienste rund um die Steiermark und für ihren Beitrag, den sie zur Entwicklung unseres Bundeslandes geleistet hat. Neben ihren politischen Verdiensten leistet sie als Vorsitzende des Universitätsrates der Montanuniversität Leoben seit vielen Jahren ausgezeichnete Arbeit, wofür ich ihr als Leobner natürlich besonders danken möchte. Ich gratuliere ihr herzlich zur heutigen Überreichung des Ehrenringes und wünsche für die Zukunft alles Gute und vor allem viel Gesundheit“, so Landeshauptmann-Stellvertreter Anton Lang.

Waltraud Klasnic wuchs als Adoptivkind in äußerst bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule absolvierte sie eine Ausbildung im Einzelhandel. Ab dem Jahr 1966 baute sie gemeinsam mit ihrem Mann ein kleines Transportunternehmen auf und widmete sich der Familie. Ihre politische Karriere begann im Jahr 1970 in der Österreichischen Frauenbewegung und als junge Gemeinderätin in Weinitzen. Im Jahr 1977 wurde Waltraud Klasnic in den Bundesrat entsandt, ehe sie 1981 als Abgeordnete in den Steiermärkischen Landtag wechselte. Mit diesem Zeitpunkt begann ihre steile und pionierhafte politische Karriere in der Steiermark. 1983 wurde Klasnic dritte Landtagspräsidentin, 1988 berief sie der damalige Landeshauptmann Josef Krainer jun. als erste weibliche Wirtschaftslandesrätin Österreichs in die steirische Landesregierung. Zusätzlich war sie für den Tourismus zuständig, später auch für den Verkehr.

Zur Landeshauptmann-Stellvertreterin wurde Klasnic im Jahr 1993 ernannt. Diese Funktion hielt sie inne, ehe sie am 23. Jänner 1996 zum ersten weiblichen Landeshauptmann in der Geschichte der Republik Österreich gewählt wurde. Bei der Landtagswahl 2000 stellte sich Klasnic der Wiederwahl: Ihre Menschlichkeit und der von ihr propagierte Stil des Miteinanders brachten ihr den höchsten Zuwachs an Wählerstimmen, den bis dahin eine Landeshauptmann-Partei in Österreich erreichen konnte. Gegen Ende ihrer zweiten Amtsperiode zogen mit der Causa EStAG dunkle Wolken auf, deren Ausmaße erst bei der Landtagswahl 2005 vollumfänglich sichtbar wurden: Die Steirische Volkspartei musste eine Wahlniederlage einstecken und verlor nach über 70 Jahren die Position des Landeshauptmannes. Noch am Wahlabend – dem 2. Oktober 2005 – kündigte Waltraud Klasnic nach einer beispiellosen politischen Karriere ihren Rücktritt an und schied im darauffolgenden Jänner aus der steirischen Landesregierung aus.

Nach dem Rücktritt aus der Politik setzte sich Klasnic jedoch nicht zur Ruhe: Mit ihrer sozialen Ader und ihrer unnachahmlichen Menschlichkeit fungierte sie unter anderem als Vorsitzende des Hilfswerk Austria und als Präsidentin des Dachverbandes Hospiz Österreich. Darüber hinaus übernahm sie die Aufgabe der Unabhängigen Opferschutzanwältin und setzte sich besonders für Betroffene von Missbrauch und Gewalt ein.